Vom Zweifeln zum Glauben: Islam entdecken – Teil 1
Ich beginne im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Obwohl ich grundsätzlich an die Existenz Gottes glaubte, war ich früher gegenüber Religion, den heiligen Schriften und dem Islam als Ganzem weitgehend skeptisch. Dies ist der erste Teil einer mehrteiligen Serie, in der ich einige meiner früheren Ansichten teile und erkläre, wie das Lesen des Qurans und das Praktizieren des Islam meine Sichtweise verändert haben.
Religion
Früher dachte ich, dass Religion von Menschen an der Macht erschaffen wurde, um die Überzeugungen und das Verhalten der Massen für ihre eigenen Zwecke zu manipulieren. Ein religiöser Mensch war für mich jemand mit starren persönlichen Überzeugungen, der sich auf äußere Anweisungen und Richtlinien stützt, um sich im Leben zurechtzufinden. Ich war der Meinung, dass Religion unsere Sichtweisen einschränkt, während das Leben selbst so vielfältig ist und somit auch die Vorstellungen von richtig und falsch individuell sein können und dürfen.
Heute erkenne ich als Gläubige, dass religiöse Hingabe in der modernen Welt oft als ungewöhnlich oder sogar merkwürdig wahrgenommen wird – fast wie ein Brauch aus vergangenen Zeiten. In wohlhabenderen Gesellschaften, in denen viele Menschen das Gefühl haben, ihr Leben selbst in der Hand zu haben, bezeichnen sich manche sogar bewusst als Atheisten und lehnen die Vorstellung einer höheren Intelligenz hinter unserer Existenz ab. Dennoch scheinen auf einer grundlegenden Ebene viele Menschen weltweit an eine höhere göttliche Macht zu glauben.
Doch reicht es aus, die Existenz Gottes lediglich anzuerkennen? Wenn wir nicht versuchen, Sein Wesen zu verstehen – und was das für unser Leben bedeutet – was prägt dann unser Denken, unser Handeln, unser Selbstbild und unseren Lebenssinn? Für viele scheinen es die gesellschaftlichen Normen und kulturellen Trends ihrer Zeit und Umgebung zu sein.
Nach dem Lesen des Qurans – und ich kann mir vorstellen, dass Ähnliches auch für andere heilige Schriften wie die Bibel oder die Tora gilt – beginnt man zu erkennen, wie die Entfremdung von Gott zu einem inneren Verlust führt. Diese Entfremdung betrifft nicht nur unsere Seele, sondern spiegelt sich auch in den großen Herausforderungen unserer Zeit wider: Klimakrise, übermäßiger Materialismus und Konsumdenken, Ungerechtigkeit, die aus Eigeninteresse entsteht, und ethische Konflikte – all das sind natürliche Folgen einer Welt, die sich von göttlichen Prinzipien entfernt hat und in der ein Bewusstsein für die Verantwortung vor dem Schöpfer fehlt.
In uns allen liegt ein angeborenes, gottgegebenes Gespür für Recht und Unrecht. Doch folgen wir ihm immer? Stellen wir nicht manchmal unser Ego und unsere Wünsche über dieses reine innere Empfinden? Und wenn wir uns nur auf unser eigenes Verständnis verlassen – können wir wirklich darauf vertrauen, dass Gottes Wahrheit mit unserer subjektiven Realität übereinstimmt?
Zum Schluss einige Verse aus dem Quran, die in diesem Zusammenhang zum Nachdenken anregen können:
Und Gott will eure Reue annehmen; diejenigen aber, die den Begierden folgen, wollen, dass ihr vom rechten Weg völlig abweicht. Gott will es euch leicht machen, denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen. (4:27-28)
Gewiss, denjenigen, die nicht an das Jenseits glauben, haben Wir ihre Taten ausgeschmückt, so dass sie blind umherirren. (27:4)
Wenn du den meisten von denen, die auf der Erde sind, gehorchst, werden sie dich von Gottes Weg ab in die Irre führen. Sie folgen nur Mutmaßungen, und sie stellen nur Schätzungen an. (6:116)
Und seid nicht wie diejenigen, die Gott vergessen haben und die Er dann sich selbst hat vergessen lassen. (59:19)
Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Möge es dir von Nutzen sein. Ich freue mich über deine Gedanken dazu. Im nächsten Teil werde ich, so Gott will, über Offenbarungen und Propheten sprechen. Bis dahin – Friede sei mit dir.
